Daniel Model

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D. Model (2016)
Daniel Model (*1960) ist ein Schweizer Unternehmer aus dem Kanton Thurgau und Gründer eines Fantasiestaates namens Avalon mit "Regierungssitz" in Müllheim TG.

Biografie

Model ist Doktor der Ökonomie (HSG)[1] und seit 1995 CEO der Model Holding AG in Weinfelden TG. Das seit 1882 bestehende Familienunternehmen stellt Verpackungen her. Model führt es als Mitbesitzer in vierter Generation.[2] Daher verfügt er im Unterschied zu den meisten Reichsbürgern oder Staatsleugnern über beachtliche finanzielle Mittel zur Umsetzung seiner Ideen.

Am 22. März 2006 sollte Model, damals Präsident des Arbeitgeberverbandes Mittelthurgau, vor den Thurgauer Gemeindeammännern einen Vortrag halten, in dem es um das Verhältnis zwischen Staat und Unternehmen gehen sollte. Statt dessen nutzte er den Anlass zur Ausrufung seines eigenen Staates, dem er später den Namen Avalon gab.[3][4] Im Jahr 2012 wurde in Müllheim der "Modelhof" eingeweiht, den Model als Regierungssitz seines imaginären Staates errichten liess.[5]

Ende 2013 verlegte Model seinen Wohnsitz von Salenstein TG nach Vaduz ins Fürstentum Liechtenstein, nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen, wie er selbst angab.[6]

Fantasiestaat Avalon

Der Modelhof in Müllheim

Modelhof (13. Juli 2017)
Zwischen 2009 und 2012 entstand am Rande des 2900-Seelen-Dorfes Müllheim das Gebäude des Modelhofes nach Plänen des örtlichen Bildhauers Urs Strähl. Dieser wurde selbst auch Bürger des Fantasiestaates ("Avalonier").[7] 10-20 Millionen Schweizer Franken soll der Prunkbau gekostet haben.[8] Die Architekturzeitschrift Hochparterre bedachte ihn mit folgenden Worten:
Ein Verschnitt aus Verwaltungsgebäude, Tempel und Opernhaus, mit Renaissance- und Anthroposophie-Zitaten. Der Innenhof ist auf 14 Meter Höhe mit einer Kuppel überdeckt. Zwanzig Räume hat das Haus, einige sehr farbig ausgestattet, andere mit Stofftapeten und klassisch getäfert.[9]

Im Modelhof finden regelmässig Konzerte und Vorträge statt, die auf seiner Website angekündigt werden und der Öffentlichkeit zugänglich sind. Auch können Führungen durch das Gebäude gebucht werden. Die Verbindungen zum ICCJV, zu Freemen und zu OPPT-lern (siehe unten) bleiben auf der Website allerdings unerwähnt.

Organisation, Mitglieder und Name des Fantasiestaates

Models Unterschrift und Fingerabdruck auf der Gründungsurkunde des ICCJV[10]
Laut Model sei Avalon eine Meritokratie. "Staatsbürger" könne nur werden, wer einen Eignungstest bestehe, wobei Model selbst das letzte Wort über Bestehen oder Nichtbestehen hat.[11] Bis 2013 kamen so ein gutes Dutzend "Avalonier" zusammen, darunter Models Familie.[12] Er selbst hat auf der Modelhof-Website eine auf September 2015 datierte, persönliche "Unabhängigkeitserklärung" veröffentlicht, die im Duktus an die Souveränitätserklärungen von Anhängern der Reichsbürger-Ideologie erinnert, aber entsprechende Schlüsselbegriffe dennoch vermeidet. Obwohl Model in diesem Dokument Bundesverfassung und Gesetze der Schweiz ablehnt, scheint er als erfolgreicher Unternehmer kein Interesse an einer handfesten Auseinandersetzung mit dem Schweizer Staat zu haben. Auf der Website präsentiert er Avalon dementsprechend eher als nebulöse, spirituelle Idee, die sich "eines Tages als etwas manifestieren können [wird], was wir heute ‚Staat‘ nennen und sich dann, wenn er es zur Anschauung für die Menschen gebracht hat, in einer andersartigen Gleichheit zeigt."[13]

Der Name Avalon rührt laut Model daher, dass seine Tochter den Roman "Die Nebel von Avalon" gelesen habe. "Avalon" sei keltisch und bedeute "Apfelgarten", was ihm zu einer Staatsgründung im "Apfelkanton" Thurgau zu passen schien.[14] Trotz dieser Angabe wurde auch ein versteckter Bezug zur rechtsextremistischen Verwendung des Wortes Avalon vermutet.[15]

Der Modelhof als Sitz des ICCJV und seine Verbindungen zu Freemen und OPPT-lern

Überklebtes (links, Juli 2017) und sichtbares (rechts, ca. Ende 2016) ICCJV-Schild am Briefkasten des Modelhofes
Nachdem bekannt wurde, dass die Adresse des Scheingerichtes International Common Law Court of Justice Vienna (ICCJV) mit derjenigen des Modelhofes übereinstimmt, wurde Model im Herbst 2016 von der Thurgauer Zeitung zu diesem Umstand befragt. Trotz seiner Unterschrift samt Fingerabdruck auf der Gründungsurkunde bestritt er, Mitbegründer des ICCJV zu sein, räumte allerdings ein, dort als "Friedensrichter" zu amtieren.[16] Im März 2017 erschien allerdings ein Artikel in den "Thurgauer Nachrichten", in welchem Model die Mitbegründung einräumte und den ICCJV verteidigte. Im Interview äusserte er sich wie folgt:
"Der ICCJV ist ein internationaler Gerichtshof, der auf Naturrecht, Menschenrecht, Völkerrecht und allgemeingültiger Rechtsprechung basiert. Er hat damit Gutes im Sinn und ist deshalb der Internationalen Völker- und Staatengemeinschaft bekanntgegeben worden. Als völkerrechtliche Entität beginnt nun der Akkreditierungsprozess."[17]

Im Zusammenhang mit den Aktivitäten des ICCJV handelte sich Model eine Strafanzeige des österreichischen Bloggers Dietmar Mühlböck wegen Nötigung ein.[18] In einem Fernsehbericht des ORF, der am 18. Mai 2017 ausgestrahlt wurde, kommt Mühlböck bezüglich des ICCJV und seiner Anzeige gegen Model ausführlich zu Wort, erzählt von den Drohungen der ICCJV-Anhänger ihm gegenüber und äussert die Vermutung, dass der ICCJV von Model entscheidend finanziert werde, was sich u.a. in den ICCJV-Poloshirts der selbsternannten Sheriffs zeige.[19]

Am Modelhof sind im Zusammenhang mit dem ICCJV auch weitere dubiose Organisationen namens International Intelligence Agency (IIA), International Sheriff Association, International Right Commission und International Right Organisation amtlich registriert.[20] Während die Website des Modelhofes jeden Bezug zu diesen Organisationen verschweigt, berichtete die Thurgauer Zeitung 2016 besorgt über das Selbstverständnis der ICCJV-Sheriffs, gestützt auf ihre vermeintliche "Immunität als Völkerrechtssubjekt" Waffen tragen und auch einsetzen zu dürfen.[21]

Obwohl dies von Model bestritten wird, besteht zwischen ihm bzw. dem ICCJV und der Freemen- und OPPT-Bewegung eine ideologische Nähe und Vernetzung. Durch den Schweizer OPPT-ler Bruno Moser wird mindestens ein Treffen dieser Klientel in "Avalon" (d. h. wohl am Modelhof) am 17. Oktober 2015 bezeugt:

"Samstag, 17. Oktober 2015
Freeman und International Common Law Court treffen zu Avalon in der Ostschweiz. Gute, neue und alte Kontakte und Informationen."[22]

Die Schweizer Reichsbürgerin Marsha Wiederkehr und der damalige deutsche Heimatbündler Guido Wander bedankten sich in einem Video bei Daniel Model persönlich für dessen Gastfreundschaft im Modelhof, die sie offenbar bei einem Treffen von ICCJV- und Heimatbund-Mitgliedern genossen hatten.[23]

Bekannt wurde auch, dass sich der österreichische Staatsverweigerer Alexander Resch vom ICCJV als illegaler "Sheriff" anheuern liess. Die Thurgauer Zeitung veröffentlichte ein Foto von ihm in Phantasieuniform vor der Kulisse des Modelhofes.[24]

Noch im März 2017 hatte Model den ICCJV gegenüber den "Thurgauer Nachrichten" verteidigt; von der Anzeige Mühlböcks wollte er lediglich aus der Zeitung erfahren haben (der Fernsehbericht, in dem Mühlböck die Anzeige erstattet und vor der Kamera dazu Stellung nimmt, wurde erst im Mai ausgestrahlt).[25] Im Juli 2017 verdichteten sich die Anzeichen, dass Model den ICCJV aus dem Modelhof weggewiesen hatte. Schon Anfang Juni war ein Vortrag zur Geschichte des ICCJV am Modelhof kurzfristig abgesagt worden.[26] Anfang Juli änderte der ICCJV seine Adresse in ein Postfach in 2557 Studen. Ein Agent des SonnenstaatlandesSSL konnte vor Ort feststellen, dass das ICCJV-Schild am Briefkasten des Modelhofes tatsächlich überklebt war.

AnalystInnen des SonnenstaatlandesSSL vermuten als Hintergrund dieser Wegweisung die Anzeige Dietmar Mühlböcks gegen Model, die diesen veranlasst haben könnte, sich vom ICCJV zumindest oberflächlich zu distanzieren.[27]

Einzelnachweise

  1. Beobachter: Der Staat Avalon: Hier herrscht ein Anarchist, Bericht vom 22. Juli 2010
  2. Migros-Magazin: Der Model-Staat, Bericht vom 7. Januar 2013
  3. St. Galler Tagblatt: Avalon ist ein elitärer Staat, Bericht vom 20. Februar 2008
  4. WOZ - Die Wochenzeitung: Dr. Model und die Nebel von Müllheim, Bericht vom 14. Januar 2010
  5. 20 Minuten: Thurgauer Millionär gründet Staat im Staat, Bericht vom 31. Mai 2012
  6. St. Galler Tagblatt: Model geht - die Firma bleibt, Bericht vom 14. Januar 2014
  7. Das Magazin: In den Nebeln von Avalon, Bericht vom 26. November 2011, zitiert nach [1]
  8. Beobachter: Der Staat Avalon: Hier herrscht ein Anarchist, Bericht vom 22. Juli 2010
  9. Hochparterre: Avalon hält Hof, Bericht vom 31. Mai 2012
  10. Gründungsdokument des ICCJV, abgerufen am 29. Sept. 2017
  11. WOZ - Die Wochenzeitung: Dr. Model und die Nebel von Müllheim, Bericht vom 14. Januar 2010
  12. Migros-Magazin: Der Model-Staat, Bericht vom 7. Januar 2013
  13. www.modelhof.ch/avalon, abgerufen am 5. März 2017
  14. St. Galler Tagblatt: Avalon ist ein elitärer Staat, Bericht vom 20. Februar 2008
  15. WOZ - Die Wochenzeitung: Dr. Model und die Nebel von Müllheim, Bericht vom 14. Januar 2010
  16. Thurgauer Zeitung: Mit viel Phantasie, Bericht vom 10. November 2016
  17. Thurgauer Nachrichten: Chairman Daniel Model: Fantast oder Visionär? Artikel vom 23. März 2017
  18. Thurgauer Zeitung: Mit viel Phantasie, Bericht vom 10. November 2016
  19. ORF: Österreich nein danke 2, ausgestrahlt am 18. Mai 2017
  20. St. Galler Tagblatt: Die Staatsleugner, Bericht vom 9. September 2016
  21. Thurgauer Zeitung: Mit viel Phantasie, Bericht vom 10. November 2016
  22. www.brunomoser.ch/archiv/tagebuch-bis-10-9-16/, abgerufen am 5. März 2017
  23. Wir verändern die Welt AGDO - das WIRschaftswunder, Youtube-Video, abgerufen am 23. Juli 2017
  24. Thurgauer Zeitung: Mit viel Phantasie, Bericht vom 10. November 2016
  25. Thurgauer Nachrichten: Chairman Daniel Model: Fantast oder Visionär? Artikel vom 23. März 2017
  26. Diskussion im Sonnenstaatland-Forum, abgerufen am 23. Juli 2017
  27. Diskussion im Sonnenstaatland-Forum, abgerufen am 23. Juli 2017