Markus Zimmermann
Markus Zimmermann darf als der erste seiner Art gelten, der in der Schweiz mit einem Reichsbürger-typischen Verhalten vor Gericht mediale Aufmerksamkeit erlangte.
Inhaltsverzeichnis
Biografisches
Markus Zimmermann ist gelernter Mechaniker und war nach verschiedenen Weiterbildungen für Firmen wie ABB und KPMG als Revisor tätig. 2005 gründete er eine eigene Firma, die Zimac GmbH, die (teils esoterisch anmutende) Coachings und Seminare anbot.[1]
Rosmarie "Romy" Zimmermann ist u.a. gelernte Dentalassistentin und hat später zeitweise als Heilpraktikerin (Shiatsu u.a.) gearbeitet[2], gibt aber bei ihren Vorträgen an, auch in diversen anderen Berufszweigen Erfahrungen gesammelt zu haben.
Zusammen frönen die Zimmermanns einer Schweizer Variante des Reichsbürger-Gedankengutes und waren bereits vor ihrer Weltreise sehr häufig auf Treffen und Anlässen der Schweizer Reichsbürgerszene zugegen (in landestypischer Ausdrucksweise: "a jedere Hundsverlochete").
Ende April 2017 kündigten die Zimmermanns an, ihr Haus zu verkaufen, um sich per Segelschiff auf eine Weltreise zu begeben. Markus Zimmermann kündigte zudem an, am 1. Mai 2017 seinen Facebook-Account zu löschen. Somit entfernte sich ein einflussreicher Akteur freiwillig aus der Schweizer Reichsbürger-Szene.[3] Mittlerweile (zu einem Zeitpunkt, den das SonnenstaatlandSSL aufgrund seines nachlassenden Interesses an den "auf hoher See verschollenen" Zimmermanns nicht genau registriert hat) sind die Zimmermanns von der Weltreise zurückgekehrt. Gerüchten aus der Szene zufolge haben sie seit ihrer Rückkehr in die Schweiz weder ihren Wohnsitz angemeldet noch irgendwelche der obligatorischen Versicherungen abgeschlossen, sondern wohnen in Ferienwohnungen und fahren nur mit Mietautos durch die Gegend; allerdings liegt dem SonnenstaatlandSSL aus 2023 auch eine Adresse im luzernischen Sursee vor. Es hiess zudem, finanzieren würden sich die Zimmermanns durch den Erlös von Romys Vorträgen; siehe im Folgenden.
Jedenfalls versuchen sie sich nicht ohne Erfolg erneut einen Namen in der Schweizer Staatsverweigerer-Szene zu machen. Zunächst erschienen beide Zimmermanns als "High Commissioners" des Institut Trivium United (ITU) wieder auf dem Radar des SonnenstaatlandesSSL (siehe folgenden Abschnitt).
Seit dem Zusammenbruch des ITU spielen die Zimmermanns, insbesondere Rosmarie, eine Rolle als Organisatoren von Veranstaltungen der Schweizer Staatsverweigerer-Szene.
Ansichten und Aktivitäten
Markus Zimmermann gehörte vor seiner Weltreise zu den engagiertesten Schweizer Reichsbürgern. Er war auf den Videos von "Konferenzen" der Szene oft zu sehen (wo er sich gerne als Redner auch aus dem Publikum einbrachte) und nahm offenbar auch gerne an sonstigen Anlässen teil, beispielsweise am Reichsbürger-Aufmarsch zum (vergeblichen) Protest gegen die Zwangsräumung von Susanne Derrers Wohnung in Weesen SG,[4] wohin ihn auch Rosmarie begleitete. Ausserdem war Markus Zimmermann Gründungsmitglied der äusserst kurzlebigen Heimatgesellschaft Aargau.
Neben dem erwähnten Reichsbürger-Gedankengut Schweizer Prägung sind die Zimmermanns - wie es für die Szene typisch ist - jeglichen Verschwörungstheorien gegenüber aufgeschlossen, selbst der "flachen Erde".
"High Commissioners" und letztlich Totengräber des ITU
Spätestens seit 2022 waren beide Eheleute Zimmermann auf der Website des Institut Trivium United als "High Commissioners" für die Schweiz aufgeführt.[5] Diese in Österreich gegründete Organisation hat Ähnlichkeiten mit Fantasiegerichten wie dem GCCL oder dem ICCJV, stellt ihren Mitgliedern Fantasiedokumente ("Delegiertenpässe") aus und ist in der Schweiz bereits mit Drohbriefen aufgefallen.[6]
Markus Zimmermann übernahm beim ITU die Rolle des "Schatzmeisters", sollte also wohl dessen Finanzen verwalten, musste aber feststellen, dass "keine ordentliche Buchhaltung für den Verein «Institut Trivium United als NGO»" bestehe, wie er in einem Dokument festhielt, das dem SonnenstaatlandSSL vorliegt. Infolge zwielichtiger finanzieller Machenschaften des Präsidenten und Vizepräsidenten des ITU gaben beide Zimmermanns zusammen mit sechs weiteren "High Commissioners" am 28. November 2023 ihren Rücktritt von allen Ämtern und zugleich ihren Austritt aus dieser Staatsverweigerer-Organisation bekannt.
Beim faktischen Zusammenbruch des ITU, der mit diesem Rücktritt von acht "High Commissioners" einherging, spielte Markus Zimmermann in seiner Funktion als "Schatzmeister" eine nicht unwesentliche Rolle.
Die Zimmermanns als Missionare ihrer prekären Lebensweise
Seither macht sich vor allem Rosmarie Zimmermann bemerkbar. Eine Zeit lang hielt sie selbst Vorträge, die in den einschlägigen Telegram-Kanälen der Schweizer Reichsbürger-Szene angekündigt und beworben wurden. Dem Sonnenstaatland bekannte Quellen aus der Szene bezeichneten diese Vorträge bzw. die in ihnen propagierte Lebensweise als "besonders krass" im Vergleich zu sonstigen Vorträgen ähnlichen Inhaltes. Diesen Quellen zufolge seien die Zimmermanns seit ihrer Rückkehr in die Schweiz weder behördlich gemeldet noch irgendwie versichert. Statt dessen würden sie stets in Ferienwohnungen nächtigen und nur mit Mietwagen umherfahren. Diesen prekären Lebensstil würden sie sich mit besagten Vorträgen finanzieren. Allerdings liegt dem SonnenstaatlandSSL aus 2023 auch eine Adresse im luzernischen Sursee vor.
Ein Lebensmittelpunkt im Kanton Luzern passt jedenfalls gut zur aktuellen Situation, in der die Zimmermanns (die dominante Rolle hat auch hier Rosmarie inne) vor allem als Organisatoren von Vorträgen, Stammtischen und weiteren Anlässen der Schweizer Staatsverweigerer-Szene, in denen eine sehr radikale Version des Staatsverweigerer-Gedankenguts Schweizer Prägung propagiert wird. Oft finden diese Veranstaltungen im Luzerner Hinterland statt. Unter anderem pflegen die Zimmermanns gute Beziehungen zur Urig-Gruppe Ruswil.
Trivia
Als Flat-Earther (oder zumindest deren Sympathisant)[7] zeigte Markus Zimmermann trotzdem Interesse an dem Scheingericht "Global Common Law Court"[8] (über seine Einstellung zur damaligen Konkurrenz, dem ebenso selbsternannten ICCJV, ist nichts bekannt). Inwiefern das Flat-Earth-Gedankengut seine nautischen Fähigkeiten auf der Weltreise beeinträchtigte, blieb bis heute ungeklärt, doch erschien zumindest anfangs ein Rückfall in den bei Reichsbürgern verpönten Zustand "Verschollenheit auf hoher See" nicht unwahrscheinlich.
Vorfall vom 11. April 2016
Am Morgen des 11. April 2016 sollte Markus Zimmermann wegen eines leichten Verkehrsdeliktes vor dem Bezirksgericht Aarau erscheinen. Es ging um eine Busse wegen zu nahen Auffahrens ("Drängelns") auf der Autobahn, in Zimmermanns Darstellung: "S isch mer eine vor d Schnöre-n-anegfahre" (es ist mir einer vor die Fresse gefahren).[9]Vor Gericht erschien Zimmermann in Begleitung von rund 40 selbsternannten Prozessbeobachtern aus der Schweizer Reichsbürgerszene, darunter bekannte Exponenten wie Heino Fankhauser, der zwischendurch das Wort ergriff, Bruno Moser, Marco Blindenbacher oder Pit Kägi.
Zimmermann verlangte wiederholt, aber erfolglos vom Richter, er solle ihn mit "Mensch Markus" ansprechen. Der Richter seinerseits konnte aufgrund von Zimmermanns Verweigerungshaltung und wegen der Störaktionen der "Prozessbeobachter" die Verhandlung nicht eröffnen.
Umringt von der teils laut johlenden Schar seiner Unterstützer verlangte Zimmermann in Reichsbürger-Manier eine "Legitimation" vom Richter. Als dieser ihn auf die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft verwies, behauptete Zimmermann, diese sei "nichtig" und stützte sich dabei auf einen Text des libertären Schweizer Rechtsanwaltes und Titularprofessors David Dürr, der bekannt dafür ist, den Staat möglichst ganz abschaffen zu wollen.[10] Zimmermann wollte den Richter auch ein reichsbürger-typisches Fantasiedokument unterschreiben lassen.
Nach rund zehn Minuten forderte der Richter die Menge im Saal erstmals auf, diesen zu verlassen. Die Reichsbürger kamen dem nicht nach, sondern versuchten weiter, auf den Richter einzureden, auch als schon Polizisten im Saal erschienen waren. Schliesslich brach der Richter die Verhandlung ab, bevor sie begonnen hatte, und verliess den Saal. Die Reichsbürger wurden anschliessend ausserhalb des Gebäudes von rund 30 PolizistInnen in Schach gehalten und aufgefordert, sich auszuweisen, durften aber schlussendlich doch abziehen, ohne kontrolliert zu werden.
Für die Verhandlung gegen Zimmermann wurde ein neuer Termin zwei Monate später angesetzt. Als er dort wieder mit einer Anzahl "Prozessbeobachter" aus der Reichsbürgerszene erschien, war das Gericht jedoch vorbereitet und es wurde ein Urteil gesprochen, das inzwischen rechtskräftig ist.[11]
Von den Ereignissen im Gericht existieren illegale Aufnahmen, die auf dem Youtube-Kanal von ciné2012, hinter dem Heino Fankhauser steht, veröffentlicht wurden.[12][13]
Einzelnachweise
- ↑ http://www.zimac.ch/wer_ist_zimac.html, abgerufen am 26. März 2017
- ↑ http://www.myshiatsu.ch/, abgerufen am 26. März 2017
- ↑ Beschreibungsamt: Die Szene verliert eines ihrer Alpha-Tiere, abgerufen am 30. April 2017
- ↑ Videos von der Zwangsräumung (in den Kommentaren; Zimmermann ist auf allen drei Videos zu sehen)
- ↑ Liste von "High Commissioners" auf der Website des "Institut Trivium United", abgerufen am 25.09.2023.
- ↑ Beschreibung im SSL-Forum mit Querverweisen.
- ↑ Facebook-Post zur "flachen Erde"
- ↑ Facebook-Post zum "GCLC"
- ↑ Aargauer Zeitung: Aufmüpfiger Aargauer Autofahrer: Der Prozess endet, bevor er angefangen hat, Bericht vom 12. April 2016 mit eingebettetem Tele-M1-Video vom 11. April 2016
- ↑ Tageswoche: Vater Dürr, der feine Anarchist, Bericht vom 25. Juli 2013
- ↑ Tages-Anzeiger: Für sie ist die Schweiz nur ein Verein, Bericht vom 6. Februar 2017
- ↑ Illegale Aufnahmen von der Verhandlung am 11. April 2016, Teil 1 (Youtube-Video)
- ↑ Illegale Aufnahmen von der Verhandlung am 11. April 2016, Teil 2 (Youtube-Video)