Wolfgang Plan

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Wolfgang Plan (* 13. September 1967 in Roth)[1] ist ein deutscher Reichsideologe, Kampfsportler und mutmaßlicher Polizistenmörder aus dem mittelfränkischen Georgensgmünd. Er kann u.a. als Anhänger der reichsideologischen Organisation "Verfassungsgebende Versammlung"[2] angesehen werden.[3] Plan befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Im April 2017 hat die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth Anklage wegen Mordes und versuchten Mordes gegen ihn erhoben.[4] Der Prozess begann am 29. August 2017.[5]

Allgemeines

"Lebenderklärung" des Wolfgang Johannes Plan.

Plan ist Anhänger vieler reichsideologischen Verschwörungstheorien und ist nach Ansicht der Nürnberger Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair ein "extrem Rechter".[6] In diversen Youtubevideos vertritt Plan für Reichsbürger typische Thesen. So weigerte er sich beispielsweise, die von der Bundeszollverwaltung geforderte Kfz-Steuer zu zahlen, bezeichnet Gerichtsvollziehertätigkeiten als illegal, hält die Bundesrepublik Deutschland für eine GmbH und will seinen eigenen Regierungsbezirk gegründet haben.[7] Den Behörden des Landkreis Roth ist er als Querulant bekannt.[8] Auf seinem privaten Facebookprofil postete er rechtsextreme, antisemitische und beleidigende Inhalte.[6]

Plan betreibt die Kampfkunst Wing Tsun, ein Stil des Kung Fu. Er wurde von der europäischen Wing-Tsun-Organisation (EWTO) mit der höchsten Trainerlizenz ausgezeichnet. Inzwischen wurde ihm die Trainerlizenz entzogen und Plan wurde von dem Verband ausgeschlossen. Die EWTO hat sich von ihm, seinen Handlungen und seinen politischen Motiven in einer offiziellen Stellungnahme distanziert.[9]

Die Kampfsportschule von Plan in Georgensmünd hatte bereits kurz nach der Gründung 2012 ein negatives Eigenkapital zu verzeichnen. Wirtschaftsauskunfteien rieten von einer Geschäftsbeziehung ab.[10]

Radikalisierung

Über die Radikalisierung von Wolfgang Plan ist bislang wenig bekannt. Er hatte offenbar Kontakt zu Adrian Ursache.[11][12][13][14] Bekannte aus einer Pokerrunde, in der Plan über Jahre spielte, beschrieben kurz nach seiner Festnahme am 19. Oktober 2016, nur "ein paar Monate" zuvor vom "plötzlichen" Auftauchen rechtspopulistischer Inhalte auf Facebook überrascht worden zu sein.[15] Als möglicher Auslöser für die bei Plan zu beobachtende "180°-Wende" wird die Trennung von seiner zweiten Ehefrau benannt. Von dieser sei er inzwischen geschieden; da sie thailändische Wurzeln habe, rühre mutmaßlich hier sein "Hass auf Ausländer" her.[15] Ein Jäger, der Plan bereits vor Jahren ausbildete und auf seine Jägerprüfung vorbereitete, sprach jedoch davon, dass Plan schon damals mit eigentümlichen Ansichten aufgefallen sei.[16]

Waffenbesitz

Plan besaß als Jäger und Sportschütze mehrere Schusswaffen. Die genaue Anzahl der legal besessenen, erlaubnispflichtigen Waffen ist öffentlich nicht zweifelsfrei bekannt und wird in Medienberichten manchmal mit 30[10], zumeist mit 31[17] angegeben. Ebenso ist noch unklar, welche Waffenarten Plan besaß: Als Jäger durfte er zwei Kurz- und beliebig viele Langwaffen besitzen.[18] Laut dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) befanden sich sowohl Jagd- als auch amerikanische und historische Waffen in Plans Besitz.[19]

Aufgrund seiner querulatorischer Schreiben an die Behörden erweckte er beim zuständigen Landratsamt Roth den Eindruck der "Unzuverlässigkeit" im Sinne des Waffengesetzes (§ 5 WaffG):[20] Im Juni 2016 soll er sich in seiner Gemeinde abgemeldet haben, der Behörde habe er nach Auskunft des Landrats dabei mitgeteilt, dass er sich nicht an staatliche Maßnahmen halten werde.[21] Nachdem er sich in der Folge mehrmals waffenrechtlicher Kontrollen durch das Landratsamt entzogen haben soll, hörte dieses ihn schriftlich zur geplanten Entziehung seiner Besitzerlaubnis an – in seiner Antwort soll Plan geschrieben haben, er sei Reichsbürger.[21]

Daraufhin wurde im August 2016 die Waffenbesitzerlaubnis widerrufen,[21] Jagdschein und Waffenbesitzkarte für ungültig erklärt.[22]

Bei der darauffolgenden Razzia bei Plan (vgl. auch unten "Vorfall am 19. Oktober 2016") konnten allerdings nicht alle Waffen sichergestellt werden. Schon am 24. Oktober 2016 aber wurde in einem Waldstück, 20km von Plans Wohnsitz entfernt, eine Kiste mit Waffen und Munition entdeckt.[23] Am 28. Oktober bestätigte die Polizei, dass sich die Waffen anhand der Waffenbesitzkarte eindeutig Plan zuordnen ließen. Da die Fundstelle sehr offensichtlich, kaum zu übersehen am Rande einer Kreisstraße, gelegen war, geht die Polizei davon aus, dass die Kiste erst in den frühen Morgenstunden des 24. Oktobers dort abgelegt wurde.[24] Das legt nahe, dass Plan einen Teil seiner Waffen bereits im Vorfeld des Polizeieinsatzes an Dritte weitergegeben hatte.

Vorfall am 19. Oktober 2016

In den frühen Morgenstunden des 19. Oktober 2016 kam es zu einem Polizeieinsatz am und im Wohnhaus von Plan mit dem Zweck der Sicherstellung der Waffen. Mitglieder des SEK brachen die Tür zum Wohnhaus auf. Daraufhin soll Plan von oben, aus dem ersten Stock, durch eine geschlossene Tür das Feuer auf die Polizeibeamten eröffnet haben. Insgesamt wurden vier Beamte verletzt; zwei Beamte wurden von teils mehreren Kugeln getroffen, zwei weitere wurden durch Splitter leicht verletzt. Plan konnte dennoch, selbst nur leicht verletzt, festgenommen werden.

Plan war auf die Durchsuchung offenbar vorbereitet: Laut einem Sprecher der Polizei habe er eine Schutzweste getragen, die er möglicherweise zusammen mit mehreren Schusswaffen neben seinem Bett griffbereit gehalten hatte.[25]

Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft beantragte einen Haftbefehl gegen Plan und ermittelte zunächst wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Am Morgen des 20. Oktober erlag jedoch einer der angeschossenen Beamten seinen Verletzungen.[22] Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung.[25] Plan befindet sich inzwischen in Nürnberg in Untersuchungshaft.[6] Bislang schweigt er zu den Vorwürfen.[26] Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth erhob im April 2017 Anklage wegen Mordes und versuchten Mordes.

Reaktionen

Mehrere Medienberichte zogen Parallelen zum ähnlich gelagerten Fall des Adrian Ursache, zumal sich Plan in Reuden unter Ursaches Unterstützern befand.[27] Plan selbst hatte noch am 18. Oktober diesen Vorfall kommentiert: Seiner Auffassung nach sei Ursache "angegriffen" worden – von "Unrechtstätern".[28]

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich entsetzt und sprach von einer "bisher so in Bayern nicht gekannten Eskalation". Er warnte vor der Verharmlosung der Reichsbürgerbewegung und versprach konsequentes Vorgehen gegen deren Anhänger. Dennoch wurde, wie am 26.01.2017 bekannt wurde[29], die Tat seitens des bayerischen LKA vorerst nicht als politisch motiviert bzw. rechtsextrem eingestuft. Kurze Zeit später änderte das LKA offenbar seine Ansicht und Joachim Herrmann kündigte an, den getöteten Polizisten nun doch als Opfer rechter Gewalt anerkennen lassen zu wollen. Dass die Tat zunächst nicht als rechtsextreme Gewalttat eingestuft werden sollte, sorgte für viel Unverständnis. Die Bundestagsabgeordnete Martina Renner kritsisierte dies als einen offenen Affront gegenüber den Opfern rechter Gewalt. [30]

Am 29. Oktober fand unter großer Anteilnahme in der Nürnberger Lorenzkirche ein Gedenkgottesdienst für den getöteten Polizeibeamten statt.[31]

Zusammenhängende Vorfälle

Wenige Tage nach dem Vorfall, am 24. Oktober, gab es einen weiteren SEK-Einsatz in Forchheim, bei dem ein bereits in anderer Sache mit Haftbefehl gesuchter Verdächtiger festgenommen wurde. Die Polizei bestätigte, dass der Einsatz mit dem bei Wolfgang Plan in Verbindung stehe.[23] Der Mann wurde an oder in einem Wohnwagen festgenommen. Augenscheinlich stand ein ähnlicher Wohnwagen in einigen von Plan auf YouTube verbreiteten Videos auf seinem Grundstück.

Am 19. Januar 2017 wurde ein weiteres Anwesen im mittelfränkischen Gunzenhausen auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth von einem Großaufgebot an Polizeibeamten durchsucht.[32]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. sonnenstaatland.com: Wolfgang Plan: Seine Erklärung…
  2. verfassunggebende-versammlung.com
  3. Beitrag im Anti-Reichsdeppenforum
  4. FAZ: „Reichsbürger“ wegen Polizistenmordes angeklagt
  5. Sitzungspolizeiliche Verfügung zur Durchführung der Hauptverhandlung
  6. 6,0 6,1 6,2 infranken.de: Das wissen wir über den "Reichsbürger" von Georgensgmünd
  7. Beitrag im Anti-Reichsdeppenforum
  8. nordbayern.de: Infos und Hintergründe zur Schießerei in Georgensgmünd
  9. Pressemitteilung der EWTO: Stellungnahme der EWTO zum Vorfall in Georgensgmünd
  10. 10,0 10,1 welt.de: Der Reichsbürger von Georgensgmünd – wütend und pleite
  11. Beitrag im Sonnenstaatlandforum
  12. MZ: Was Adrian Ursache und ein Polizistenmörder miteinander zu tun hatten
  13. rbb: https://www.rbb-online.de/unternehmen/presse/presseinformationen/programm/2016/11/pmreichsbuerger.html
  14. Der Spiegel: Anklage fordert lebenslange Haft
  15. 15,0 15,1 nordbayern.de: "Reichsbürger" war mit Thailänderin verheiratet
  16. nordbayern.de: "Reichsbürger" treffen sich in Polsdorf zum Stammtisch
  17. taz.de: Angriff durch "Reichsbürger": Polizist erliegt Schussverletzungen
  18. ovb-online.de: Die Waffen des Jägers Wolfgang P.
  19. br.de: Schießerei in Georgensgmünd: Polizist erliegt seinen Verletzungen
  20. welt.de: „Reichsbürger“ verletzt SEK-Mann lebensbedrohlich
  21. 21,0 21,1 21,2 zeit.de: "Reichsbürger" verletzt Polizisten lebensgefährlich
  22. 22,0 22,1 spiegel.de: Nach Angriff eines "Reichsbürgers" - Polizist erliegt seinen schweren Verletzungen
  23. 23,0 23,1 infranken.de: SEK-Einsatz in Forchheim: Zusammenhang mit "Reichsbürger" von Georgensmünd
  24. rp-online.de: Reichsbürger aus Georgensgmünd – Unbekannter legt Munition und Waffen im Wald ab
  25. 25,0 25,1 Süddeutsche Zeitung: "Reichsbürger" schießt zwei Polizisten nieder
  26. n-tv.de: Haftbefehl wegen Mord – Wolfgang P. schweigt
  27. Mitteldeutsche Zeitung:Was Adrian Ursache und ein Polizistenmörder miteinander zu tun hatten
  28. taz.de: Politische Diskussion um "Reichsbürger": "Knallharte Neonazis, sonst nichts"
  29. Beitrag im Sonnenstaatlandforum vom 27. Januar 2017
  30. br.de: Polizistenmord von Georgensgmünd - Herrmann: Doch rechtsmotivierte Tat
  31. RDR: Große Anteilnahme: Gedenkgottesdienst für ermordeten Polizisten
  32. br.de Polizei durchsucht Anwesen in Gunzenhausen , Artikel vom 20. Januar 2017